Die Geschichte des Judo Club St.Gallen_Gossau beginnt eigenartig. Eigentlich sollte ursprünglich ein Fussballclub entstehen. Das jedenfalls war die Absicht der beiden Initianten Nicola Frizzi und Bruno Faccincani. Dann aber sahen sie in der "Neuen Zürcher Zeitung" ein Inserat für einen Ju-Jitsu-Kurs. Das brachte die beiden jungen Männer auf eine Idee: Fussballclubs haben wir in St.Gallen genug, also probieren wir etwas ganz Neues! Und schon war 1936 unser Verein geboren. Nebst dem JJJC Zürich und dem JC Basel gehört der Judo Club St.Gallen_Gossau zu den Gründungsmitgliedern des Schweizerischen Judo- und Ju-Jitsu-Verbandes (SJV).

Heute, achtzig Jahre später, dürfen wir auf eine stürmische, aber auch sehr erfolgreiche Clubgeschichte zurückschauen. Schwierigkeiten brachte vor allem der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939, als wegen mangelnder Verdunkelungsvorrichtungen im Dojo nur noch unter misslichen Bedingungen im Keller des Leonhard-Schulhauses trainiert werden durfte. Nur dank dem damaligen Präsidenten, Dr. Leo Senn, und dem unermüdlichen Dr. Hanho Rhi, konnte die Judo-Bewegung nach dem Krieg weiter gefördert werden.

Dank Max Hungerbühler konnte 1951 das Dojo an der St.Georgen-Strasse und 1968 jenes an der Mühleggtreppe bezogen werden. Der erste Dojowechsel schien Früchte zu tragen. Denn bereits drei Jahre später wurde der Judo Club St.Gallen_Gossau zur gefürchtetsten Kämpfertruppe der Schweiz. Nicht einmal die Welschen wagten es zu jener Zeit, die starken St.Galler herauszufordern! Mit Dr. Hanho Rhi, dem zweimaligen Weltmeister Tokio Hirano, Meister Mihuro Kondo und Theodor Misslin ("bester Techniker der Schweiz") leiteten absolute Spitzenleute die Trainings.

Mit dem Bezug des Dojos an der Mühleggtreppe begann der noch heute im Vereinsleben aktive Günther Kircheis mit einer gezielten Jugendförderung, welche bis heute anhält. Die konsequente Aufbauarbeit zahlte sich kurz darauf auch aus: die Junioren wurden schon im ersten Jahr ins Regionalkader aufgenommen und 1974 wurde an jedem Turnier, an welchem unsere Kämpfer teilnahmen, mindestens eine Medaille gewonnen.

Parallel dazu, im Jahr 1973, wurde ein zweites Dojo im Keller der Rosenauturnhalle in Gossau eröffnet. Einige Jahre später, im 1987, wurde von der Stadt St.Gallen das Dojo an der Volksbadstrasse zur Verfügung gestellt. Beide Dojos werden auch heute noch rege benutzt. In die gleiche Ära fällt die Eröffnung des Judo-Sportzentrum Urnäsch, welches stets durch einzelne Vereinsmitglieder geführt wurde und für viele Judokas, gross und klein, die Möglichkeit bot, an Trainingslagern ganz in der Nähe und unter optimalen Bedingungen teilzunehmen.

Der Chronik unseres Vereins ist weiter zu entnehmen, dass bisher insgesamt 18 verschiedene Präsidenten unseren Club leiteten und die Anzahl der Einzelschweizermeister eine zweistellige Zahl aufweist. Seit 1971 sind durchgehend Kämpfer unseres Vereins im National- bzw. Regionalkader (heute Sichtungskader) vertreten. Von 1992 bis 1994 kämpfte unsere erste Kampfmannschaft während drei Saisons in der höchsten Liga (NLA). Nach dem Abstieg konnte 1995 der Meistertitel in der Nationalliga-B-Ostgruppe erkämpft werden. Im 2010 gelang es Stephanie Egger, an der U23-Europameisterschaft die Goldmedaille zu gewinnen. Noch heute ist sie als Trainerin im Nachwuchsbereich des Judo Club St.Gallen_Gossau aktiv.

Der Judo Club St.Gallen_Gossau ist bemüht, seinen gegen 190 Aktiv-Mitgliedern ein sinnvolles und abwechslungsreiches Freizeitangebot anbieten zu können. Je nach Wissensstand und körperlichen Verfassung können die Vereinsmitglieder von über 15 Trainingsangebote in den beiden Dojos in St.Gallen und Gossau Gebrauch machen. Für die Wettkämpfer werden verschiedene Weekends und Trainingslager im In- und Ausland organisiert. Auch gesellschaftliche Anlässe werden angeboten und von den Mitgliedern rege genutzt. Nicht wegzudenken sind das Plauschweekend für jedermann, der Skitag, das Eltern-Kind-Training und weitere wertvolle Anlässe. Seit 2008 ist der Judo Club St.Gallen_Gossau zudem mit dem Qualitätslabel Sport-verein-t ausgezeichnet.

Abwechslungsweise führt der Judo Club St.Gallen_Gossau mit dem Budo-Sport-Club Arashi Yama Wil die  Ostschweizer-Einzelmeisterschaften mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch. Den Jahreshöhepunkt bildet das bereits zur Tradition gewordene internationale Gallusturnier, welches erstmals im Jahr 1985 durchgeführt wurde. Es zählt bereits seit Jahren zu den stärksten Judoturniere der Schweiz und ist bis weit über die Grenzen bekannt. Das Teilnehmerfeld zählt jeweils über 700 Judokas aus bis zu zehn Nationen. Ab dem Jahr 2017 hat es zudem den Status eines Ranking-1000 Turniers.